Mastwurf & Halbmastwurf

Mastwurf & Halbmastwurf

Dieses Mal zeigen wir Euch zwei verwandte Knoten, Mast- und Halbmastwurf, die beim Mehrseillängenklettern nach wie vor und auch trotz vieler auf dem Markt befindlicher Sicherungsgeräte top aktuell sind.

Der Mastwurf dient uns als ideale Selbstsicherung, da er erstens stufenlos längenverstellbar und zweitens energieaufnahmefähig ist und dabei ohne zusätzliches Material zurechtkommt. Doch eins nach dem anderen:

Jeder Standplatz ist räumlich anders. Da ist eine in der Länge verstellbare Selbstsicherung wichtig. Der Mastwurf kann das besser leisten als alle zu kaufenden Schlingen.

Bandschlingenmaterial ist nicht dehnbar und damit auch nicht energieaufnahmefähig. Schon bei kleinen Stolperern (um z.b. noch irgendwas über dem Stand zu optimieren) kommen dann Material und Körper an ihre Grenze. Das Seil und die Knoten (Einbindeknoten und Mastwurf) können sich dehnen und zuziehen. Ein Hopser in dieses System ist immer noch nicht angenehm, aber führt nicht zu Materialversagen und Verletzungen. Wer's nicht glaubt möge doch mal rechnen: 2,40m (deine 1,20er Schlinge x2) mal Masse x Beschleunigung..., das vergleichst du dann mal mit den Bruchlasten deines Materials und deines Körpers. Beim Mastwurf lohnt es sich sehr, ihn auch einhändig zu beherrschen, wenn mal mal sehr wacklig am Stand ankommt und sich eben gern festhalten möchte, bis die Selbstsicherung sitzt.

Das kann beim Halbmastwurf entfallen. Den wirst du immer erst dann machen, wenn du selbst gesichert bist und die Hände frei hast. Der Halbmastwurf dient ja als universelle Partnersicherung. Während er im Sportkletterbereich keine Rolle mehr spielt (er ist nicht per se falsch, aber mittlerweile ist dort die Ära der Halbautomaten angebrochen), ist er aus unterschiedlichen Gründen alpin noch sehr aktuell. Fixpunkt oder Körper, Einfach- oder Doppelseil, Vorsteiger- oder Nachsteigersicherung, wenn es eine eierlegende Wollmilchsau gibt, dann ist es unser Halbmastwurf. Natürlich gibt es gute Ergänzungen und auch ein paar gute Geräte, die Basis bildet aber immer noch der Halbmastwurf.

Noch eine kleine Materialempfehlung: für den Mastwurf nutze ich einen Schrauber, um mir immer die Option "einhändig" offenzuhalten. Das geht mit Ball-Lock etc. nicht. Für den Halbmastwurf nutze ich ausschließlich den Ball-Lock von PETZL, hier will ich auf die Sicherheit des Safebiners nicht verzichten und nochmal: hier habe ich Zeit und muss nicht einhändig arbeiten. Viel Spaß beim Üben!

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Einhändiger Mastwurf - Challenge

Hier ein kleiner Nachtrag zum Mastwurf, eher ein wenig aus der Ecke "koordinative Challenge". Probiert das aus, natürlich in sicherer Umgebung, und glänzt damit an passender Stelle.

Nachdem wir an anderer Stelle schon dafür kritisiert worden sind, sicherheitsrelevante Themen mit Challenges aufzupeppen, hier ein kleiner Disclaimer: NACHDEM die Standards gut geübt worden sind und WENN die Rahmenbedingungen es zulassen, kann es sinnvoll sein, sich mit Spielformen, Wettspielen und eben solchen koordinativen Herausforderungen zu beschäftigen. Wir automatisieren, wir schirmen die Technik gegen Stress ab, wir vertiefen im sozialen Umfeld und werden geschickter. Zudem verknüpfen wir die Technik mit Emotionen und lernen damit nachhaltiger. Und ja, Lernen und Üben muss Spass machen!

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